Gesang vom Halt
Text:Ü.O.Nov.08,Mel:etwa Harmonien v. B.Dylan „Where are you tonight?”
 
 
1. Es stoßen Dinge auf, die keiner gerne sieht.
Und warum gerade du? –  ` Weißt nicht!
So angenehm der Trott mit dem liebsten Gott,
` spürst es nur, wenn `s sticht.
 
Der Vorfall ist geklärt, der Täter überführt,
und der Ermittler in sein`n Whisky stiert.
Ein Sieger hat verlor`n, keiner ungeschor`n,
was hinter allem steht, bleibt unberührt.
 
Als du dich nachts umdrehst, hellwach auf Suche gehst,
was ist mit einer Last, wenn du kein` Einfluß hast?
Die Menschen im  Malbuch, so gekonnt vorgemalt,
die hatt`st du als Kind dir so schön ausgemalt,
Mann, und was ist hier ein Halt!
 
 
 
2. Als du von innen frierst, du auf die Models stierst,
die lasziv geschmeidig auf Karossen schnurrn.
`Stöberst nach Berichten, wühlst in den Geschichten
von Abenteurern, Gangstern, Hur`n.
 
Ein Bild Brigitte Bardot`s, `s ließ dich niemals los,
nie vergaßt du ihren Lippenmund.
`S hatte was bewegt! `Hatt`st es still gepflegt,
den Rücken an der Wand, waidwund.
 
Mann, wie du wankst, in deinem Turm schwankst!
War `s denn nicht richtig, wonach du verlangst?
Mensch, ist das peinlich! Was ist da geknallt?
Du sitzt im Feuer, und dir ist so erbärmlich und kalt,
Mann, und wo ist hier ein Halt!
 
 
 
 
 
 
 
3. Sie laden dich erst ein und lassen dich nicht rein,
nicht einer nannte einen Grund.
So sehr du `s dir auch wünscht, bist einfach unerwünscht,
und immer hörst du: „Halt doch deinen Mund!“
 
` Bist zusamm`gezuckt, hast schnell weggeguckt,
als man dich bei deinem Namen rief.
Kerl, bist du gerannt, bis zur Enge an der Wand,
wo dein Kindlein behütet lag und schlief!
 
Siehst, als der Hahn kräht, ein` Türspalt, der aufgeht.
Drinnen einer steht, der still um Vorlaß fleht.
Mann, Schattenmann Joseph, hinter Maria Lichtgestalt!
Hast du auch gekniffen, dich versteckt im heil `gen Wald?
Mann, was ist hier ein Halt!
 
 
4. Der Junk will seinen Stoff, der Dealer will das Geld,
das ist der Kontrakt, der den Junkie fällt.
Der hat zu bezahl`n, der die Musik bestellt,
auch wenn sie auf der Feier nicht gefällt.
 
Zu mühelos der Tanz mit Madame Ignoranz,
die servil dir von den Fingern frißt!
` Legst ihr Herz aus Stein in deinen heil`gen Schrein,
wo er Gegenstand von Selbstmißachtung ist.
 
Menschenskind, die Ohnmacht, was hat dich dahin gebracht,
hast dem, der dich belügt, auch noch das Bett gemacht.
Wie groß nur ist ein Leid in Hilflosigkeit!
` Sagst, daß du ihn liebst, der dich quält, und das nicht mal kalt,
sag, du lügst…, was ist hier ein Halt!
 
 
5.`Suchst Schutz vor einem Biest, das schwer zu fassen ist
und tief in dunkler Kammer steckt.
Erfaßt ist schon der Raum, geortet ist der Traum,
der vor dir sich hinter `m Schlaf versteckt.
 
`Baust am Chinawall, weit reicht er bis ins All,
und einmal noch so weit ins Herz zurück.
` Heiligst deinen Trutz, verhedderst dich im Schutz
für eine Handvoll … vielleicht „Glück“.
 
Dein Credo - fest im Wall, dahinter freier Fall!
Nie willst du verstehen, als wär` es eine Qual.
Was zieht in den Bann? Wer ist `s , der bezahlt?
`Traust dich nicht ran, versteckst dich im Wald,
Mann, wo ist hier ein Halt!
 
6. Wer mehr will, als er gibt, folgt einem Grundprinzip,
das alle guten Regeln sicher sprengt.
Schon lange fragst nicht mehr: „Wo kommt das alles her?“,
zu gern warst immer flüchtig abgelenkt.
 
Im Haus von Überfluß wohnt auch der Überdruß,
das hatt`st d` dir viel leichter  vorgestellt.
Als wär` die Welt zu klein, ` stopfst und stopfst es rein
ins Vakuum von deiner Unterwelt.
 
Wunder und Verbrechen mit gleicher Zunge sprechen:
„` Will ohne Rechnung zechen…einer wird `s schon blechen!“
Im Spaß der Kumpanei, versteckt in Lumperei,
hinterm Lügenbrei Helfershelfer willig steh`n -
auf Dauer, wie soll das nur gutgeh`n!
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7. Drunten auf der Bank, beim Nachbarn am Stadtgang,
dort saßen sie, die Alte und der Mann.
`S war was von Belang, `s ging schon wochenlang,
und der das sehen will, rührt `s an.
 
Ein altbekanntes Spiel, `s braucht dazu nicht viel,
oft versteckt, doch alles ... dann und wann.
Als alle Lichter aus, trugen sie ihn raus
mit Füßen vornean.
 
Und sie saß tagelang auf halbverwaister Bank,
von Salz die Augen rot, von Wasser blank.
So weit den Blick zurück auf ein altes Glück,
auf eine Sonne, die schon so oft im Meer versank.
 
Mann, ist denn nur wahr, was schon einmal war?
Was unter Füßen liegt, `s trägt nicht mal ein Jahr!
Doch ich glaub`, für `n Moment, ihr war nicht mehr so kalt,
das ist viel, viel  mehr, als hunderttausend Jahre alt…
so flüchtig und kraftvoll, der Halt!                                                                                                     
 
Hey, hey, hey…